{"id":865,"date":"2017-05-09T18:05:42","date_gmt":"2017-05-09T16:05:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/?page_id=865"},"modified":"2020-04-27T15:14:13","modified_gmt":"2020-04-27T13:14:13","slug":"rathlef-reinhard","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/missionare-aus-gerlingen\/aktuelle-missionare\/rathlef-reinhard\/","title":{"rendered":"Rathlef, Reinhard"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-860\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathlef_reinhard.gif\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"190\"><br \/>\n<em>Reinhard Rathlef auf der F\u00e4hre \u00fcber den Fluss...<\/em><\/p>\n<p>Als Reinhard Rathlef 1965 f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.dipm.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Deutsche Indianer Pionier Mission (DPIM)<\/a> mit dem Schiff nach Brasilien ausreist, war er in Kursen, Vortr\u00e4gen und Praktikumseins\u00e4tzen auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Was ihn im tiefsten Urwald Brasiliens erwartet, hatte er sich vorher jedoch nicht vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite des Flusses Zivilisation, auf der anderen Seite, im Grenzland Brasilien-Paraguay, Urwald. Hier gilt nicht das brasilianische Gesetz, sondern es gibt eigene \"Gesetze\".&nbsp; Reinhard Rathlef hat keinerlei Portugiesischkenntnisse als er auf einer kleinen Indianer-Missionsstation bei Brasilianern im tiefen Urwald Mato Grossos ankommt, 1.400 km von S\u00e3o Paulo entfernt.&nbsp; Neben der Sprache lernt der fr\u00fchere Drogist Z\u00e4hne ziehen, Spritzen geben, Eiterbeulen aufschneiden, Urwaldh\u00fctten bauen u. v. m.<\/p>\n<p>1965 gr\u00fcndet Winfried Rathlef, Missionar der Deutschen Indianer Pionier Mission (DPIM) die erste Missionsstation in Piraju\u00ed, muss sich aber aus Krankheitsgr\u00fcnden wieder zur\u00fcckziehen.<br \/>\nZwei Jahre sp\u00e4ter setzen sein Bruder Reinhard und Gerhard Kern die begonnene Arbeit fort. Schwerpunkte der ganzheitlichen Missionarsarbeit sind neben der Gemeindegr\u00fcndung Krankenarbeit, der Aufbau der Landwirtschaft und die Schulung der Indianer. Der Indianerstamm der Guaran\u00ed in Piraju\u00ed wird von den \"zivilisierten Grenz-Bewohnern\" unterdr\u00fcckt: Schmuggler und andere Verbrecher benutzen sie; es gilt das Recht der Waffe, Kriminalit\u00e4t und Alkohol regieren das Leben.Krankheit rafft die Menschen in gro\u00dfer Zahl weg. Es gibt keine Stra\u00dfen, keine Krankenh\u00e4user. Das hunderte von Kilometern entfernte Krankenhaus will keine Indianer behandeln.&nbsp; Das Milit\u00e4r versucht, Ordnung zu schaffen, k\u00e4mpft aber in diesem Dschungel vergebens ... Der Indianerh\u00e4uptling Juleao l\u00e4dt die Missionare ein und bittet um Hilfe.<\/p>\n<p>\"Ein solcher Einsatz bringt einen selbst an die physischen und psychischen Grenzen.\"&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-861\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathlef_reinhard_auto.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"206\"><br \/>\n<em>Reinhard Rathlef unterwegs<\/em><\/p>\n<p>Gut, dass Reinhard Rathlef und die Krankenschwester Hilde Tiede sich in der Zentrale der Mission in S\u00e3o Paulo begegnet sind. 1968 heiraten sie bei den Indianern. Gerhard Kern beginnt eine neue Arbeit, 700 km entfernt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-856\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathlef_hilde.gif\" alt=\"\" width=\"209\" height=\"283\"><br \/>\n<em>Hilde Rathlef liest Indianerfrauen und -kindern vor.<\/em><\/p>\n<p>Gott gibt den Rathlefs die Kraft f\u00fcr ihre Aufgaben, und sie selbst erg\u00e4nzen sich als Missionars-Ehepaar so gut, dass sie in ihrem abenteuerlichen Umfeld vieles auf die Beine stellen k\u00f6nnen. \"Es ist ein Wunder, dass wir \u00fcberleben; ringsum Krankheiten, Gewalt ...\"<\/p>\n<p>Besonders gro\u00dfes Interesse findet die \"Schule\". M\u00fctter mit S\u00e4uglingen auf dem Arm, gestandene M\u00e4nner, die gut mit Buschmessern umgehen k\u00f6nnen, aber nie ein Blatt Papier in der Hand gehabt hatten, Kinder aller Altersgruppen ... sie alle wollen Lesen und Schreiben k\u00f6nnen. Neben den Fibeln ist das Neue Testament, in die Guaran\u00ed-Sprache \u00fcbersetzt, das Lesebuch.<\/p>\n<p>Die Kraft des Wortes Gottes ver\u00e4ndert viele dieser Menschen. Die Missionare k\u00f6nnen es f\u00f6rmlich miterleben, wie hartgesottene Trinker durch den pers\u00f6nlichen Glauben an Gott und durch Gebet einfach das Trinken aufgeben.&nbsp;<br \/>\nGetrunken wurde nur hochprozentiger Zuckerrohrschnaps. Die Angst vor den Geistern weicht. Neue Hoffnung bricht auf; sie entdecken das Singen und das Musizieren im Gottesdienst.<\/p>\n<p>Durch ihren engagierten Einsatz und ihre christliche Lebensart gewinnen die Rathlefs das Vertrauen aller Einwohnergruppen. Sie geben Hilfe zur Selbsthilfe, um Indianern und Kriminellen die Chance zu geben, zu verantwortlichen Gesellschaftsgliedern werden zu k\u00f6nnen.&nbsp;Durch die nomadischen Indianer spricht sich das schnell herum. Von 1965 bis 1975 kommen unz\u00e4hlige Menschen von \u00fcberall her mit ihrem Hab und Gut zum kleinen Krankenhaus der Rathlefs, die mitten unter den Indianern leben. Tag und Nacht ist das \"H\u00e4ndeklatschen\" zu h\u00f6ren, mit dem Indianer ihre Ankunft anmelden. Wurmbehandlungen, Wundenbehandlungen, aber auch Informationen \u00fcber K\u00f6rperpflege und Hygiene generell geh\u00f6ren in diesen Jahren zum Alltag der Missionare; ebenso wie der Kampf mit dem Vorurteil, dass Krankheiten von b\u00f6sen Personen gezaubert werden, die daf\u00fcr nach Gerichtsverhandlung verurteilt und get\u00f6tet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die ersten Jahre sind die Rathlefs alleine im Einsatz in Piraju\u00ed - unter Indianern, auch unter Schmugglern und Kriminellen, die sich als \"Zivilisierte\" bezeichnen. Um die Indianer zu sch\u00fctzen und bessere Lebensbedingungen f\u00fcr das Grenzgebiet zu erreichen, muss allen geholfen werden - auch den Kriminellen. Impfaktionen, Gottesdienste, ganzheitlicher Schul-Unterricht ... F\u00fcr ein Einzugsgebiet von 120 km ...&nbsp;\"Die ersten Jahre sind m\u00f6rderisch. Einsamkeit und \u00dcberlebenskampf ist die allergr\u00f6\u00dfte Herausforderung unseres Lebens. Selber oft krank, das Klima macht uns zu schaffen, verseuchtes Wasser, fehlende Lebensmittel, Insektenschw\u00e4rme. Als schlie\u00dflich Verst\u00e4rkung kommt, sind wir total ausgepowert.\"<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-862\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathlef_reinhard_schule.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"206\"><br \/>\n<em>Reinhard Rathlef Anfang der 1970er Jahre in der Indianerschule Piraju\u00ed. Die Rathlefs sind stolz darauf, dass einige dieser Kinder es schulisch weiter gebracht haben als sie selbst.<\/em><\/p>\n<p>Nach ca. 15 Jahren ist es tats\u00e4chlich geschafft: Die Epedemien sind zur\u00fcckgegangen. Der allgemeine Gesundheitszustand der Indianer und der \"Zivilisierten\" hat sich sehr gebessert. In der Abwesenheit der Missionare ist immer jemand zur Stelle, der gelernt hat, bei einfachen Erkrankungen erste Hilfe zu leisten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-857\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/rathlef_indianer.gif\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"177\"><br \/>\n<em>Reinhard Rathlef - in allen Lebenslagen \"dicht am Menschen\"<\/em><\/p>\n<p>Die neugegr\u00fcndete Schule, in denen die Indianer auf den brasilianischen Unterricht vorbereitet werden, geht 1976 in das staatliche Schulsystem \u00fcber.<\/p>\n<p>Heute sind rund 70 der ehemaligen Sch\u00fcler aus verschiedenen Missionsschulen im Umkreis selbst Lehrer, wobei der Anteil der Sch\u00fcler aus Piraju\u00ed gro\u00df ist. In allen dieser Schulen sind die Schulleiter Indianer. Aber es gibt in Piraju\u00ed nicht nur Lehrer - auch Krankenpfleger und Schwestern, gelernte Landwirte, Missionare, Pastoren. Ein junger Mann machte vor zwei Jahren seinen Uni-Abschluss in Biologie. Er schreibt B\u00fccher und arbeitet als Lehrer.<br \/>\nDie Krankenarbeit ist seit kurzer Zeit nicht mehr in den H\u00e4nden der Mission. Indigene Dorf-Gesundheitshelfer und Krankenpflege-Kr\u00e4fte machen mit Hilfe des staatlichen Gesundheitsamtes die Arbeit.<\/p>\n<p>Tiefgreifende Ver\u00e4nderungen wie Fernsehen im Indianerdorf, St\u00e4dte in erreichbarer N\u00e4he des Reservats mit Einkaufsm\u00f6glichkeiten und h\u00f6heren Schulen, Lehm- und Schotterwege mit Busverbindungen verunsichern das Leben des einstigen Sammlers und J\u00e4gers. Hier sind Missionare gefragt, die mit viel Geduld und Zeit liebevoll dieses Volk begleiten.<\/p>\n<p>Reinhard Rathlef ging 2002 zwar \"in Rente\", aber \"Ruhestand\" kann man das nicht nennen ...<\/p>\n<p>Reinhard und Hilde Rathlef wohnen seit 1991 wieder in Deutschland, in Korntal. Ihr Herz jedoch - und auch das ihrer Kinder ist bei den Indianern geblieben.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Familie bleibt in Kontakt mit ihren s\u00fcdamerikanischen Freunden in den indianischen Gemeinden und der Wildwestler-Gemeinde. Wenn Sie auf Besuch nach Brasilien kommen, reisen die ehemaligen Sch\u00fcler freudig bis aus 3.000 km Entfernung an. Die Rathlefs f\u00f6rdern durch Rat und Tat weiterhin die Arbeit der Missionare.&nbsp;<\/p>\n<p>\"Ein herzlicher Dank allen, auch den Gerlingern, die uns jahrzehntelang begleitet haben durch tatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzung.\"<\/p>\n<p><strong>Zitate von Reinhard Rathlef:<\/strong><\/p>\n<p>\"Die Zivilisation \u00fcberrollt die Indianer im brasilianischen Urwald. Alles ver\u00e4nderte sich, jedoch nicht zum Besseren.\"<\/p>\n<p>\"Schmuggler zogen auch andere Verbrecher an. Im Grenzgebiet sammelten sich alle Arten von Kriminellen.&nbsp; 'Nicht ohne Waffen in dieses Gebiet,' sagte das Milit\u00e4r. Aber wir vertrauen auf Gott und darauf, dass er uns bewahrt.\"<\/p>\n<p>\"Unser Motto war von Anfang an: gewinnen, schulen, senden. Das hat sich sehr bew\u00e4hrt.\"<\/p>\n<p>\"Wenn wir die Bibel leben und nicht nur predigen, best\u00e4tigen wir das Evangelium.\"<\/p>\n<p>\"Die Indianer m\u00fcssen Portugiesisch lernen, um in Brasilien nicht unterzugehen. Aber der Erhalt ihrer eigenen Kultur - und so auch ihrer Sprache&nbsp; - ist vehement wichtig und muss an den Schulen unterrichtet werden!\"<\/p>\n<p>\"Mit allen uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln haben wir uns dagegengestellt, wenn unschuldige Frauen totgepr\u00fcgelt werden sollten. Mit Erfolg. In den fast 30 Jahren unseres Einsatzes in Piraju\u00ed sind wohl Gerichts-verhandlungen gef\u00fchrt worden, aber keine Frau wurde mehr zu Tode gequ\u00e4lt. Wo der Zyklus des Mordens und der Rache durchbrochen wird durch den Glauben an Jesus Christus, entsteht neues Leben. Das erleben wir handgreiflich.<\/p>\n<p>Beispiel:<br \/>\nAvelhano verletzt vors\u00e4tzlich das Schwein eines Christen. Der r\u00e4cht sich nicht, sondern schenkt Avelhano ein Ferkel, nachdem das Mutterschwein wieder gesund geworden ist und geferkelt hat ... -<br \/>\nSp\u00e4ter wurde Avelhano selbst Christ, nachdem er die Leute aus der Gemeinde gr\u00fcndlich beobachtet hatte.\"<\/p>\n<p>\"Wir konnten das Leben vieler Indianer retten. Die Verk\u00fcndigung der Botschaft der Bibel hat Indianer und Verbrecher ge\u00e4ndert, die heute ein verantwortliches Wesen haben. F\u00fcr viele wird der Bibelvers zu Johannes 3, Vers 16, zu einem Lied der Hoffnung:<\/p>\n<p>(Guaran\u00ed:) \u00d1andejara ohayhu etere\u00edgui yryp\u00f3ra ku\u00e9rape, ome'\u0115 va'ekue Ta'yra pete\u012dete, opa umi hese ojerovi\u00e1va ani ha\u011fua o\u00f1ehundi, oguereko hagua uvei pe tekove tapia guar\u00e3.<\/p>\n<p>(Deutsch:) Gott liebte die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun wird jeder, der sein Vertrauen auf den Sohn Gottes setzt, nicht zu Grunde gehen, sondern ewig leben.\"<\/p>\n<p>\"In drei Bundesl\u00e4ndern dieses riesigen Landes bis hin nach Paraguay gibt es heute Leute, die weitergeben, was wir miteinander erfahren und gelebt haben.\"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reinhard Rathlef auf der F\u00e4hre \u00fcber den Fluss... 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