{"id":31,"date":"2016-07-04T08:24:04","date_gmt":"2016-07-04T06:24:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/?page_id=31"},"modified":"2020-04-27T15:30:44","modified_gmt":"2020-04-27T13:30:44","slug":"maisch-wilhelm","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/missionare-aus-gerlingen\/maisch-wilhelm\/","title":{"rendered":"Maisch, Wilhelm"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: small;\"><b><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fchrender Kopf der Basler China-Mission<\/span><\/b><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-597\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Portrait.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"257\"><\/p>\n<p>Zum kostbarsten Besitz des <a href=\"http:\/\/www.gerlingen.de\/,Lde\/start\/Kultur\/Stadtarchiv.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stadtarchivs Gerlingen<\/a> z\u00e4hlen f\u00fcnfhundert Fotoplatten von Wilhelm Maisch, die er w\u00e4hrend seines China-Aufenthaltes \u00fcber die Mission und \u00fcber das Leben und den Alltag der Chinesen produziert hat. Diese Fotosammlung war im Besitz der Familie Maisch in Ravensburg. Angesichts des dokumentarischen Wertes wurden Abz\u00fcge hergestellt und die Originale dem Archiv der Basler Mission zur Verf\u00fcgung gestellt. <a href=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/impressionen-aus-china\/\">Eine Auswahl der Fotos finden Sie hier....<\/a><\/p>\n<p>\u201eAm 2. Juli (1924), w\u00e4hrend wir in der Leonhardskirche zu Basel unser Jahresfest feierten, kam das Telegramm (aus China), das uns den Tod von Bruder Maisch meldete. Die Nachricht traf uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel, obwohl wir bereits von seiner Erkrankung wussten. Menschlich gesprochen ist dies der schwerste Verlust, der uns in China treffen konnte.\" Mit diesen S\u00e4tzen beginnt der Nachruf von Missionsdirektor Dipper im \u201eHeidenboten\", einem Presseorgan der Basler Mission unter der \u00dcberschrift: \u201eZum Ged\u00e4chtnis unseres Pr\u00e4ses Maisch.\"<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1335\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_beerdigung.jpg\" alt=\"\" width=\"296\" height=\"290\"><\/p>\n<p><em>Beerdigung des Missionars Maisch<\/em><\/p>\n<p>Zwei Jahre zuvor war er zum zweiten Mal ausgereist, um den in 16 Jahren vorbereiteten Aufbau der Basler chinesischen Mission und ihre Umwandlung in eine eigenst\u00e4ndige chinesische Kirche abzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1336\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Khonngwo-Kirche.jpg\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"455\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Khonngwo-Kirche.jpg 625w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Khonngwo-Kirche-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/p>\n<p><em>Kirche in Khonngwo<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Viele Missionare hatten im S\u00fcden des Riesenreiches China an der Ausbreitung des Evangeliums mitgewirkt. Nun war die Zeit gekommen, die Mission auf eigene F\u00fc\u00dfe zu stellen und sie unabh\u00e4ngig zu machen vom ausl\u00e4ndischen Missionar, aber auch von den finanziellen Zusch\u00fcssen aus dem Ausland. So schrieb Maisch:<\/p>\n<p>\u201eEine ganze Periode der Missionsarbeit in China ist abgeschlossen und eine neue nimmt ihren Anfang. Die Zeit ist ein f\u00fcr allemal vorbei, wo ausl\u00e4ndische Missionen und Missionare die Leitung der Arbeit ausschlie\u00dflich in ihrer Hand halten. Der Ausl\u00e4nder muss herunter von seiner beherrschenden Stellung, muss neben den Chinesen treten und ihn als gleichberechtigt anerkennen.\"<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Missionare und Missionsfreunde waren dies starke Worte, die nicht \u00fcberall gefielen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-596 size-full\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/maisch_geburtshaus.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/maisch_geburtshaus.jpg 600w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/maisch_geburtshaus-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Geburtshaus von Wilhelm Maisch in der Gerlinger Hauptstra\u00dfe 75<\/em><\/p>\n<p>Wilhelm Maisch wurde am 13. Januar 1878 in Gerlingen als Sohn des Schreinermeisters und sp\u00e4teren Waldmeisters Christoph Maisch und der Marie geb. Zimmermann geboren. Ein begabter und wissbegieriger Bub soll er gewesen sein, der seine Mutter mit Fragen fast zur Verzweiflung brachte, so dass diese ihrem Mann drohte, davonzulaufen, wenn er nicht daf\u00fcr sorge, ihn vorzeitig in die Schule zu schicken. So kam er mit f\u00fcnf Jahren zur Schule, war der j\u00fcngste und bald der beste Sch\u00fcler. Er wurde Bau- und M\u00f6belschreiner. W\u00e4hrend seiner Lehrzeit besucht er den Zeichenunterricht von Lehrer Uhl in Gerlingen, der ihn sp\u00e4ter in die Lage versetzt, seinen Chinesen Zeichnungen anzufertigen, die sie ohne viel Worte verstehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1338\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"791\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer.jpg 600w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Maisch sitzend mit seinem Lehrer<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dem Vater wurde schwer ums Herz<\/strong><\/p>\n<p>Seine geistliche Heimat findet er im Gerlinger J\u00fcnglingsverein; dieser und Pfarrer M\u00f6rike haben ihn gepr\u00e4gt. Er meldet sich 1897 ins Missionshaus nach Basel und wird auch gleich aufgenommen. Das viele Lernen, besonders das Griechische, Hebr\u00e4ische, Lateinische und Englische, fallen ihm nicht schwer. Nach der Ausbildung wird er f\u00fcr China bestimmt. \u00dcber den Abschied von Gerlingen schreibt er:<\/p>\n<p>\u201eEs war am Morgen des 7. September 1904, als eine Chaise mit zwei munteren Rappen bespannt die Stra\u00dfe herauf gefahren kam. Mein Onkel, meiner Mutter Bruder, sa\u00df auf dem Bock; er kam mich abholen auf die gro\u00dfe Reise. \u00dcber die Minuten, die nun folgten, will ich schweigen. Was das Herz da empfindet, kann nur der verstehen und mitf\u00fchlen, der schon in \u00e4hnlicher Lage war. Nachdem ich all den lieben Verwandten, Freunden und Nachbarn die Hand gedr\u00fcckt hatte, stieg ich auf; ein letztes \u201aBeh\u00fct dich Gott\u2019 her\u00fcber und hin\u00fcber und fort ging's, das Dorf hinunter, wo mir von rechts und links noch Abschiedsgr\u00fc\u00dfe zugewinkt wurden. In solchen Augenblicken empfindet man, was Heimat ist. Wir hatten eine halbe Stunde auf die Bahnstation Ditzingen zu fahren. Mein lieber Vater sa\u00df neben mir im Wagen. Ungef\u00e4hr um die selbe Zeit vor sieben Jahren war er mit mir denselben Weg gegangen, als ich das erste Mal nach Basel reiste, um ins Missionshaus einzutreten. War es ihm damals schwer geworden mir Adieu zu sagen, so wurde es ihm heute noch schwerer und wir sa\u00dfen schweigend nebeneinander. Auch mein Onkel sprach nicht viel, obwohl er sich als warmer Missionsfreund freute \u00fcber meinen Auszug nach China...<\/p>\n<p>So kamen wir auf die Station. Nun galt es, das letzte Band zu durchschneiden, und das ist mir wohl am schwersten geworden. Immer noch steht das Bild meines Vaters vor mir, wie er auf dem Perron stand und wortlos, regungslos dem davoneilenden Zug nachschaute. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter stand ich in den Stra\u00dfen von Stuttgart - allein; die Br\u00fccke war hinter mir abgebrochen.\"<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1338\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"791\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer.jpg 600w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Lehrer-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><em>Maisch (li.) mit einem Lehrer<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erste Aufgabe: Bau einer Station<\/strong><\/p>\n<p>Drei Monate dauert es, bis Wilhelm Maisch sein Reiseziel in China erreicht hat: 38 Tage sind sie von Genua nach Hongkong unterwegs, weitere 14 Tage auf dem Ostfluss von Hongkong \u00dcber Kanton nach Laulung, von dort zu Fu\u00df und zuletzt noch zu Pferd bis Tschongtshun. Genau ein Vierteljahr ist vergangen, seit er sein Elternhaus verlassen hatte. Seine Missionst\u00e4tigkeit in Hoschuwan beginnt mit dem Bau einer Station.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1339\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Pass.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"497\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Pass.jpg 800w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Pass-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Pass-768x477.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p><em>Rast auf dem Pass Schungla<\/em><\/p>\n<p>Dar\u00fcber schreibt er:<\/p>\n<p>\u201eNicht weniger Schwierigkeiten als die finanzielle Leitung der Bauten machte mir die technische. Ich verstand wohl etwas von Bauschreinerei, aber H\u00e4user bauen, Planen und Drainierungsarbeiten machen, Brunnen graben etc. ist dann doch wieder etwas anderes. Au\u00dfer der Bauten habe ich die Knabenanstalt mit 30 Sch\u00fclern. Fr\u00fcher hatte ich nie mit der Leitung einer Schule etwas zu tun gehabt. Ich hatte die Anmeldungen entgegenzunehmen, mit den Leuten die H\u00f6he des Kostgeldbeitrags auszumachen, dabei kannte ich niemand. Lehrer war keiner da, der kam erst mit den Sch\u00fclern, frisch aus dem Seminar. Mit ihm hatte ich dann den Lehrplan zu machen und Schulb\u00fccher in Kanton zu beschaffen. Alles b\u00f6hmische D\u00f6rfer f\u00fcr mich, kannte ich doch die Fachausdr\u00fccke noch nicht und trat doch der neue Lehrplan in Kraft. Dabei musste ich f\u00fcr die leiblichen Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler sorgen, f\u00fcr Wohnung und Essen. In der Anstalt wurden immer vier bis f\u00fcnf Schweine gehalten, da es bei so vielen Leuten (die Bauarbeiter essen auch auf der Anstalt) viele Abf\u00e4lle gibt. Ein Schwein hatte ich von Bruder Lutz \u00fcbernommen, vier weitere im Wert von 35 Dollar kaufte ich. Da kam im Mai und Juni der Milzbrand, massenweise starben sie in der Umgebung, innerhalb von drei Wochen waren von meinen f\u00fcnf St\u00fcck zwei krepiert und die andern drei musste ich bereits krank verkaufen. Und nun kommt die eigentliche Missionsarbeit, d.h. vorher noch die Verwaltung der vier Gemeinden, deren jede einen Kirchen- und einen Armenfond hat in der Verwaltung des Missionars... Die eigentliche Missionsarbeit musste ich dieses Jahr sehr zur\u00fcckstellen... Au\u00dferdem bin ich auch Arzt. Die Leute kommen oft weit her, um sich verbinden zu lassen oder Arznei zu kaufen.\"<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1340\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_bett.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"572\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_bett.jpg 800w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_bett-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_bett-768x549.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p><em>Schlafgelegenheit in einer Au\u00dfenstation<\/em><\/p>\n<p>Das waren in gek\u00fcrzter Form die Arbeit, aber auch die Leiden eines Chinamissionars. Die Baut\u00e4tigkeit lie\u00df mit der Zeit nach, daf\u00fcr kamen ganz neue Aufgaben, die ihn wochenlang von zu Hause abhielten, in das Ende 1907 seine Frau Luise geb. Loh\u00df eingezogen war. Getreu den Verlobungsvorschriften hatte er sich zwar an die Richtlinien gehalten, ging dann aber bald massiv gegen diese Paragraphen vor und brachte sie schlie\u00dflich zu Fall. Das Ehepaar Wilhelm Maisch hatte zwei Buben, Zwillinge, die aber bald starben. Bitter war es f\u00fcr die Eltern, als sie in Hongkong von einem norwegischen Arzt h\u00f6ren mussten, dass es nur eines Kaffeel\u00f6ffels Orangensaft pro Tag bedurft h\u00e4tte, um ihren Kindern das Leben zu retten. Sie waren an Skorbut gestorben. Dabei wuchsen Orangen und Zitronen in jeder Menge im Garten! Im Laufe der n\u00e4chsten sechs Jahre wurden ihnen noch drei Kinder geboren, zwei Buben und ein M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitten in der chinesischen Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 1912 brach die gro\u00dfe chinesische Revolution aus, die die Mandschu-Dynastie st\u00fcrzte. Die Chinesen f\u00fchlten sich nun frei und schnitten sich zum Zeichen der neuen Freiheit ihre Z\u00f6pfe ab. Da die Missionare gef\u00e4hrdet waren, wurden sie aufgefordert, ihre Missionsstationen zu verlassen und sich nach Hongkong zu begeben. Auch Wilhelm Maisch floh mit seiner Familie dorthin.<\/p>\n<p>Nach seiner R\u00fcckkehr in seine Missionsstation erhielt Wilhelm Maisch von Verwandten einen Fotoapparat, den er flei\u00dfig ben\u00fctzte. Er fertigte auch Dias an, die er selbst kolorierte und bei den Heidenpredigten einsetzte) die damit so anziehend wurden, dass oft mehr als 1000 Menschen daran teilnahmen. Aber nicht nur zur Evangelisation brauchte er seinen Fotoapparat, manches Mal schickte auch der Mandarin (Regierungsbeamter) nach ihm, um Todeskandidaten noch vor der Hinrichtung zu fotografieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-592 size-full\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/maisch.gif\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"190\"><\/p>\n<p><em>Wilhelm Maisch und Mitarbeiter in Wintse <\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-601\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch-Hoschuwan.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"190\"><\/p>\n<p><em>Kirche in Hoschuwan<\/em><\/p>\n<p>In seiner Hoschuwaner Zeit begann Missionar Maisch sich Gedanken \u00fcber die Stagnation der Missionierung zu machen. Er kam zu dem Ergebnis, dass es n\u00f6tig sei, die Chinesen viel st\u00e4rker zur Mitarbeit und zur eigenen Verantwortung heranzuziehen. In einem Bericht an Basel hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eAls ich hierher kam, besorgte der Missionar alles, die Lehrer (Chinesen) k\u00fcmmerten sich au\u00dfer dem Lektionsplan fast um nichts. Die ganze Schul\u00f6konomie samt den Finanzen besorgte der Missionar; jeden Griffel, jeden Bleistift, jedes Buch musste er selbst den Sch\u00fclern kaufen, jeden Cent Schul-B\u00fcchergeld selbst einziehen. Heute tun dies alles die Chinesen, selbst die Aufnahme in die Primarschulen liegt ganz in ihren H\u00e4nden. So hat der Missionar nur noch die Oberaufsicht, einen Teil der Andachten, die Pr\u00fcfungen und die Abrechnung auf Jahresabschluss. Fr\u00fcher rauchten die Gehilfen ihre Pfeifen und trugen ihre Kinder spazieren, sahen dem Missionar zu, wie er alles besorgte und kritisierten dabei. Das ist jetzt anders geworden. Jeder hat seine Last und seine Verantwortung zu tragen. Sie seufzen zwar manchmal darunter, aber sie tun es doch gerne, denn ich lasse ihnen nicht nur die B\u00fcrde, sondern auch die W\u00fcrde. Das Verh\u00e4ltnis zwischen den Europ\u00e4ern und den Chinesen ist dadurch nicht schlechter, sondern entschieden besser geworden!\"<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zum Pr\u00e4ses gew\u00e4hlt<\/strong><\/p>\n<p>1911 wurde Wilhelm Maisch zum Distriktspr\u00e4ses des \u201eOstflusses\" gew\u00e4hlt. Jetzt konnte er seine Ideen leichter durchsetzen. Zehn Jahre war er schon im Lande, als 1914 der erste Heimaturlaub f\u00e4llig war. Das hei\u00dfe Klima und die viele Arbeit hatten seine Gesundheit ersch\u00fcttert. Da brach der Erste Weltkrieg aus, und damit war an ein Heimkommen \u00fcberhaupt nicht mehr zu denken. Aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden musste er 1916 das Komitee bitten, ihn von seiner Aufgabe als Distriktspr\u00e4ses zu entbinden und auf eine Station umsiedeln zu d\u00fcrfen, die eine gesundheitliche Erholung erlaubte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1341\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_Tod.jpg\" alt=\"\" width=\"733\" height=\"611\" srcset=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_Tod.jpg 733w, https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Maisch_Tod-300x250.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 733px) 100vw, 733px\" \/><\/p>\n<p><em>Letztes Foto von Wilhelm Maisch Maisch (1. v.l.)<\/em><\/p>\n<p>Da China nicht in den Ersten Weltkrieg verwickelt war, wurde die Familie nicht interniert. Nach Kriegsende konnte sie am 23. Februar 1920 ein japanisches Frachtschiff besteigen, das sie in 52 Tagen nach Hamburg brachte. In Welzheim, der Heimat von Frau Maisch, fanden sie in deren elterlichem Haus eine Wohnung. Als 1921 die Neubesetzung des Amtes des Generalpr\u00e4ses in S\u00fcd-China anstand, wurde ihm dies dringend angeboten. Da sich seine Frau noch nicht ganz erholt hatte, reiste er am 1. April 1922 allein nach Shanghai aus. Seine Frau sollte sp\u00e4ter nachkommen. Auf der Reise zu einer Predigtstation erkrankte er an Dysenterie. Am 25. Juni 1924 starb Wilhelm Maisch mit 46 Jahren in Kutschuk an Herzversagen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-599\" src=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/maisch_wilhelm_grab.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"191\"><\/p>\n<p><em>Grab von Wilhelm Maisch in Kutchuk\/China<\/em><\/p>\n<p>Stadthistoriker Imanuel Stutzmann hielt 2009 Vortr\u00e4ge \u00fcber Wilhelm Maisch in China (<a href=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Maisch_Wilhelm_2009_Vortrag_Stutzmann.pdf\">Vortrag als PDF-Dokument<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong><\/p>\n<p><em>Der genannte Ort Hoschuwan wird in der heutigen Pinyin-Umschrift \"Heshuwan\" geschrieben, liegt im Meilin-District, in der Guangdong-Provinz (andere, \u00e4ltere Schreibweisen: Hoschuwan, Howan). Die Guangdong (alt Kanton)-Provinz umgibt Hongkong. Wenn Sie auf einer Karte den Ort Heyuan (fr\u00fcher Honyen) finden, ca. 170 km n\u00f6rdlich von Hongkong am Dong Jiang (= Ostfluss), so liegt Heshuwan etwa 40 km \u00f6stlich von dieser Stadt an einem kleineren Fluss. Heshuwan selbst und dieser Fluss sind im Times Atlas nicht verzeichnet. Falls Sie \"Schlatter, Geschichte der Basler Mission\" haben, finden Sie die Orte auf der dort beiliegenden Karte. Auf den <a href=\"http:\/\/www.bmarchives.org\/browse\/#q=Heshuwan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Webseiten der Basler Mission <\/a>finden Sie ca. 100 Fotos des Ortes.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fchrender Kopf der Basler China-Mission Zum kostbarsten Besitz des Stadtarchivs Gerlingen z\u00e4hlen f\u00fcnfhundert Fotoplatten von Wilhelm Maisch, die er w\u00e4hrend seines China-Aufenthaltes \u00fcber die Mission und \u00fcber das Leben und <a href=\"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/missionare-aus-gerlingen\/maisch-wilhelm\/\" class=\"more-link\">...weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> \"Maisch, Wilhelm\"<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":39,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-31","page","type-page","status-publish","h-entry","hentry","h-as-page"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/31","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/31\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2801,"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/31\/revisions\/2801"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/39"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de\/cms\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}