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Missionare aus Gerlingen: Reinhard Rathlef | |||||
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"Die Zivilisation überrollt die Indianer im brasilianischen Urwald. Alles veränderte sich, jedoch nicht zum Besseren." "Schmuggler zogen auch andere Verbrecher an. Im Grenzgebiet sammelten sich alle Arten von Kriminellen. 'Nicht ohne Waffen in dieses Gebiet,' sagte das Militär. Aber wir vertrauen auf Gott und darauf, dass er uns bewahrt." "Unser Motto war von Anfang an: gewinnen, schulen, senden. Das hat sich sehr bewährt." "Wenn wir die Bibel leben und nicht nur predigen, bestätigen wir das Evangelium." "Die Indianer müssen Portugiesisch lernen, um in Brasilien nicht unterzugehen. Aber der Erhalt ihrer eigenen Kultur - und so auch ihrer Sprache - ist vehement wichtig und muss an den Schulen unterrichtet werden!" "Mit allen uns zur Verfügung
stehenden Mitteln haben wir uns dagegengestellt, wenn unschuldige
Frauen totgeprügelt werden sollten. Mit Erfolg. In den fast 30 Jahren
unseres Einsatzes in Pirajuí sind wohl Gerichts-verhandlungen geführt
worden, aber keine Frau wurde mehr zu Tode gequält. Beispiel: "Wir konnten das Leben vieler Indianer retten. Die Verkündigung der Botschaft der Bibel hat Indianer und Verbrecher geändert, die heute ein verantwortliches Wesen haben. Für viele wird der Bibelvers zu Johannes 3, Vers 16, zu einem Lied der Hoffnung": (Guaraní:) Ñandejara ohayhu etereígui yrypóra kuérape, ome'ĕ va'ekue Ta'yra peteĭete, opa umi hese ojeroviáva ani hağua oñehundi, oguereko hagua uvei pe tekove tapia guarã. (Deutsch:) Gott liebte die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun wird jeder, der sein Vertrauen auf den Sohn Gottes setzt, nicht zu Grunde gehen, sondern ewig leben. "In drei Bundeländern dieses riesigen Landes bis hin nach Paraguay gibt es heute Leute, die weitergeben, was wir miteinander erfahren und gelebt haben." |
Als Reinhard Rathlef 1965 für die Deutsche Indianer Pionier Mission (DPIM) mit dem Schiff nach Brasilien ausreist, war er in Kursen, Vorträgen und Praktikumseinsätzen auf seine Aufgabe vorbereitet worden. Was ihn im tiefsten Urwald Brasiliens erwartet, hatte er sich vorher jedoch nicht vorstellen können. | |||||
Reinhard Rathlef auf der Fähre über den Fluss ... |
Reinhard Rathlef hat keinerlei Portugiesischkenntnisse als er auf einer kleinen Indianer-Missionsstation bei Brasilianern im tiefen Urwald Mato Grossos ankommt, 1.400 km von São Paulo entfernt. Neben der Sprache lernt der frühere Drogist Zähne ziehen, Spritzen geben, Eiterbeulen aufschneiden, Urwaldhütten bauen u. v. m. 1965 gründet Winfried Rathlef, Missionar der Deutschen Indianer Pionier Mission (DPIM) die erste Missionsstation in Pirajuí, muss sich aber aus Krankheitsgründen wieder zurückziehen. |
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Zwei Jahre später setzen
sein Bruder Reinhard und Gerhard Kern die begonnene Arbeit fort.
Schwerpunkte der ganzheitlichen Missionarsarbeit sind neben der
Gemeindegründung Krankenarbeit, der Aufbau der Landwirtschaft und die
Schulung der Indianer.
Der Indianerstamm der Guaraní in Pirajuí wird von den
"zivilisierten Grenz-Bewohnern" unterdrückt: Schmuggler und
andere Verbrecher benutzen sie; es gilt das Recht der Waffe, Kriminalität und Alkohol regieren das Leben.
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Getrunken wurde nur hochprozentiger Zuckerrohrschnaps. Die Angst vor den Geistern weicht. Neue Hoffnung bricht auf; sie entdecken das Singen und das Musizieren im Gottesdienst. Durch ihren engagierten Einsatz und ihre christliche Lebensart gewinnen die Rathlefs das Vertrauen aller Einwohnergruppen. Sie geben Hilfe zur Selbsthilfe, um Indianern und Kriminellen die Chance zu geben, zu verantwortlichen Gesellschaftsgliedern werden zu können. Durch die nomadischen Indianer spricht sich das schnell herum. Von 1965 bis 1975 kommen unzählige Menschen von überall her mit ihrem Hab und Gut zum kleinen Krankenhaus der Rathlefs, die mitten unter den Indianern leben. Tag und Nacht ist das "Händeklatschen" zu hören, mit dem Indianer ihre Ankunft anmelden. Wurmbehandlungen, Wundenbehandlungen, aber auch Informationen über Körperpflege und Hygiene generell gehören in diesen Jahren zum Alltag der Missionare; ebenso wie der Kampf mit dem Vorurteil, dass Krankheiten von bösen Personen gezaubert werden, die dafür nach Gerichtsverhandlung verurteilt und getötet werden müssen.
Nach ca. 15 Jahren ist es tatsächlich geschafft: Die Epedemien sind zurückgegangen. Der allgemeine Gesundheitszustand der Indianer und der "Zivilisierten" hat sich sehr gebessert. In der Abwesenheit der Missionare ist immer jemand zur Stelle, der gelernt hat, bei einfachen Erkrankungen erste Hilfe zu leisten. |
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![]() Reinhard Rathlef - in allen Lebenslagen "dicht am Menschen" |
Die neugegründete Schule, in denen die Indianer auf den brasilianischen Unterricht vorbereitet werden, geht 1976 in das staatliche Schulsystem über. Heute sind rund 70 der ehemaligen Schüler aus verschiedenen Missionsschulen im Umkreis selbst Lehrer, wobei der Anteil der Schüler aus Pirajuí groß ist. In allen dieser Schulen sind die Schulleiter Indianer. Aber es gibt in Pirajuí nicht nur Lehrer - auch Krankenpfleger und Schwestern, gelernte Landwirte, Missionare, Pastoren. Ein junger Mann machte vor zwei Jahren seinen Uni-Abschluss in Biologie. Er schreibt Bücher und arbeitet als Lehrer. |
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Die Krankenarbeit ist seit kurzer Zeit nicht mehr in den Händen der Mission. Indigene Dorf-Gesundheitshelfer und Krankenpflege-Kräfte machen mit Hilfe des staatlichen Gesundheitsamtes die Arbeit. Tiefgreifende Veränderungen wie Fernsehen im Indianerdorf, Städte in erreichbarer Nähe des Reservats mit Einkaufsmöglichkeiten und höheren Schulen, Lehm- und Schotterwege mit Busverbindungen verunsichern das Leben des einstigen Sammlers und Jägers. Hier sind Missionare gefragt, die mit viel Geduld und Zeit liebevoll dieses Volk begleiten. Reinhard Rathlef ging 2002 zwar "in Rente", aber "Ruhestand" kann man das nicht nennen ... Reinhard und Hilde Rathlef wohnen seit 1991 wieder in Deutschland, in Korntal. Ihr Herz jedoch - und auch das ihrer Kinder (Dorothea, geb. 1969; Sabina, geb. 1972, Claudio, geb. 1976) - ist bei den Indianern geblieben. Die Familie bleibt in Kontakt mit ihren südamerikanischen Freunden in den indianischen Gemeinden und der Wildwestler-Gemeinde. Wenn Sie auf Besuch nach Brasilien kommen, reisen die ehemaligen Schüler freudig bis aus 3.000 km Entfernung an. Die Rathlefs fördern durch Rat und Tat weiterhin die Arbeit der Missionare. "Ein herzlicher Dank allen, auch den Gerlingern, die uns jahrzehntelang begleitet haben durch tatkräftige Unterstützung." |
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| Impressum | Kontakt: info@johannes-rebmann-stiftung.de | |||||